Regatta Nordenham

Auf dem Rückweg vom Härtetest wurde ich überredet. Bisher wären Ulrike, Diana, Erik R. und Julian E. dabei, für einen Vierer fehle noch eine Person. Wären auch nur 27 km: Mit der Tide stromauf, bei Hochwasser am Wendepunkt und mit ablaufenden Wasser wieder stromab und am Sonntag eine Tour ins Watt. – Joa, wieso nicht?

Bis zur Ankunft in Nordenham dachte ich an eine übliche Langstrecke – wer die Strecke meistert, hat gewonnen. Wie schnell man war, ist im Endeffekt nur für einen selbst wichtig. Aber nicht hier – für die schnellsten Boote standen Pokale bereit, unser Ehrgeiz war geweckt.

Die Weser ist in Nordenham so breit, dass alle Boote (ich glaube es waren insgesamt 13) mehr oder weniger nebeneinander passten. Per Startschuss erfolgte der Massenstart. Wir fuhren tatsächlich ganz gut mit. Anfänglich waren wir irgendwo in der Mitte, aber schon auf den ersten Kilometern konnten wir uns auf den vierten Platz vorkämpfen. Dann passierte auch nicht mehr viel. Die Strecke ging immer geradeaus, am Ufer sah man Schilf, der Wind kommt von schräg-vorne. Die Folie zwischen den Auslegern, die als Wellenschutz fungieren sollte, war eher ein Segel. Der Wind hob das Boot immer auf Steuerbord an. Da ich im Bug saß und versuchte, das Boot irgendwie gerade zu halten, war ich allein davon schon genervt. Dazu immer geradeaus. Man sah durchgehend Kräne, die nahe des Starts standen. Noch mehr Schilf. Die Steuerfrau meldete, dass die Boote vor uns noch nicht allzu weit weg seien – immerhin eine positive Nachricht. Hinter uns sah man mittlerweile nur noch Wellen. Das lag einmal daran, dass der Wind für ganz schön hohe Wellen sorgte, aber auch daran, dass die anderen Boote mehrere hundert Meter weg waren. Oder mehr, das war schwer zu schätzen.

Den Wendepunkt erreichten wir deutlich vor Hochwasser und das, obwohl der Wind eigentlich hätte für pünktliches Hochwasser sorgen müssen. Um nicht zu sehr gegen die Strömung zu rudern, hielten wir uns nah am Ufer. Aber so nah, wie gewünscht, ging auch wieder nicht – auf diesem Weserabschnitt schwimmt gefühlt alle 10m eine Untiefentonne. Da wir uns nicht auskannten, wollten wir diese nicht ignorieren. Der Wind kam jetzt von Backbord. Was für eine Abwechslung: Das Boot kippte jetzt zur anderen Seite weg und ich saß zur anderen Seite gelehnt schief im Boot. Mehr Schilf. Andere Kräne und vielleicht eine Brücke – war bei dem Wetter nicht eindeutig zu sagen.

So langsam kam das letzte Stück, auf dem man sich überlegen musste, ob man den vorderen Booten ihren Platz streitig machen möchte. Unseren Platz zu verteidigen, war nicht nötig. Verfolger sah man weit und breit nicht mehr. Wir überlegten also, welche Boote vor uns waren: Ein Mixed-Boot führte das Feld mit Abstand an, das würden wir nicht schaffen. Kurz dahinter war ein Männer-Boot, die würden wir auch nicht bekommen und da es getrennte Mixed- und Männerwertungen geben sollte, ist das Boot auch keine direkte Konkurrenz. In Reichweite ein (geglaubtes) Männer-Boot. Vielleicht hätten wir es überholen können, aber wir sahen das Boot ebenfalls nicht als direkte Konkurrenz und stellten uns schon mal auf einen zweiten Platz ein. Also ganz normal zu Ende rudern und Kraft für das Warten am Steg sparen, dabei über den Seitenwind aufregen und mehr Schilf bewundern. Wer schon mal auf dem Rheinmarathon o.ä. mit war, weiß, dass die Regatta nicht mit dem Überqueren der Ziellinie endet. Danach muss man weiterkämpfen, um nicht am Steg vorbeigetrieben zu werden. Als viertes Boot hielt sich die Wartezeit zum Glück in Grenzen. Ein schönes Gefühl ist es trotzdem nicht, wenn zwei Ruderer nicht ausreichen, um die Position zu halten.

3. Platz im Mixed Gig-4x+ (von 9 Booten in der Kategorie „Mixed“)

Boote gesäubert und verstaut, dann erst mal Kuchen essen. Was passt am besten zu einer Regatta? Richtig, Marzipantorte. Ob Leeuwarden als Vorbild hergehalten hat? Es gab aber auch andere Kuchen und Torten. Als alle satt waren, begann die Siegerehrung. Wie erwartet nahmen die ersten beiden Boote je den Pokal für den Sieg in der Mixed- bzw. Männer-Klasse entgegen. Das dritte Boot wurde überraschenderweise als Zweitplatzierter der Mixed-Kategorie aufgerufen. Damit hatte die Mannschaft anscheinend selber nicht gerechnet. Vier Männer und eine durchgehende Steuerfrau macht Mixed-Boot? Tatsächlich ja. Nur fünf Männer, inkl. Steuerperson, sind ein Männerboot. Mit mindestens einer Frau, auch wenn sie durchgehend steuert, fährt man Mixed. Naja, okay… ein kleiner Trost war, dass wir immerhin nicht leer ausgingen. Auch für den dritten Platz gab es noch einen Pokal. Auch wenn der Pokal für den zweiten Platz schöner gewesen wäre, konnten wir uns trotzdem freuen.

Wenn man schon in Nordenham ist, muss man per Ruderboot ins Watt fahren. Das stand für Sonntag auf dem Programm. Da es eigentlich nur möglich ist, mit der Tide zu fahren, mussten wir um 7:00 auf dem Wasser sein. Bis zur Mündung konnten wir noch alleine rudern, danach mussten wir auf ortskundige Begleitung warten. „Teebeutelnd“ (reinstecken und ziehen lassen) ging es voran, bis uns die anderen einholten. Kurz nach der Mündung in Bremerhaven waren die ersten Sandbänke zu sehen. Von den Booten, die vor uns abgelegt hatten, keine Spur, aber es gab Seehunde zu bestaunen.

Wir hofften, vor Niedrigwasser auf der Sandbank anzukommen. Daraus wurde aber leider nichts. Noch weit nach Niedrigwasser waren wir auf dem Hinweg. Die Pause auf der Sandbank wurde damit leider aktiver als erwartet. Man nahm das Boot an die Leine und konnte sich langsam Richtung Land bewegen. Dabei musste man aufpassen, dass ein Priel einem nicht plötzlich den Weg abschnitt. Und wenn man doch durch einen kleineren hindurch musste – Hose hochkrempeln! Priele werden sehr schnell sehr tief. Eigentlich ist es erstaunlich, dass ich nicht unfreiwillig gebadet habe. Dazu gab es Abschnitte mit sehr schlammigem Boden und ganz unerwartete Löcher. Dafür waren bestimmt alle Eriks verantwortlich, die vor unserem im Watt unterwegs waren. Kaum aus dem Boot ausgestiegen hatte Erik Spaß daran gefunden, sich neben uns in den Sand zu graben, bis die Hose fast nass wurde. Das wurde auch gleich für ein Foto ausgenutzt. Weiter ging die Wanderung über die Sandbänke, mehr oder weniger immer Richtung Fahrrinne. Zum Einsteigen musste man nur einige Minuten am selben Ort bleiben. Langsam nacheinander einsteigen, dann schwimmt das Boot von selber ohne Aufzusetzen.

„Erik ist ganz schön klein geworden“

 

Der Rückweg wurde erstaunlich unruhig. Wind hatten wir zum Glück kaum, aber mit dem auflaufenden Wasser nahm der Schiffsverkehr erheblich zu. Wir hatten uns auf der Hinfahrt bereits gewundert, warum Schiffe in der Fahrrinne ankern – anscheinend, weil das Wasser für sie zu flach wurde. Mit auflaufendem Wasser konnten sie ihren Weg fortsetzen. Und sagen wir so – solche Schiffe sind während sie fahren zwar effizient, aber beim Anfahren werfen sie eine erhebliche Welle. Von solchen Wellen gab es jetzt einige auf der Weser. Dazu kamen Schlepper, Hafenmeister und der Zoll. Während die Schlepper Rücksicht nahmen, ist es anscheinend überall üblich, dass die Boote von Polizei, Hafenmeister und Zoll eine für ihre Größe riesige Welle hinter sich herziehen. Aber auch das haben wir überstanden. Nachdem die Boote geputzt waren, „mussten“ wir noch die Kuchenreste vom Vortag aufräumen. Alles haben wir leider nicht geschafft. Dann ging es auch schon wieder nach Hause.

 

Sabrina Thiessen

erstellt am: 20.08.2018