Der Hamborger Tweemaster auf großer Fahrt (Ein Erlebnisbericht vom Elfsteden Roeimarathon 2019)

Ik heff mol en Hamborger Veermaster sehn“, so heißt es zumindest im traditionellen Volkslied und bekannten Shanty. Unser hölzernes Schiff (Boot) „Seeschwalbe“ hatte jedoch lediglich zwei Masten (bzw. Ruderer), aber wie eine Galeere mehrere Ruder, genauer vier Skulls, und blaues Segeltuch, das schützend über die Ausleger gespannt war.

Etappe 1: Peter und Guido mit Steuerfrau Angelika

Um 19 Uhr stieß die „Seeschwalbe“ in See und segelte gemächlich durch die engen Kanäle der Leeuwardener Innenstadt zum Start, denn noch hatten die Ruder der Galeere „Seeschwalbe“ nicht volle Fahrt aufgenommen. Nach einem kurzen Anleger ging unser Hamborger Tweemaster um kurz nach 20 Uhr auf große Fahrt (210 km) durch Friesische Gewässer und elf friesische Städte. Unsere Galeeren-Ruderer legten sich ordentlich ins Zeug und schoben die „Seeschwalbe“ gut an, sodass sie „sanft“ übers Wasser glitt (naja, nicht ganz). Obgleich wir uns von „King Julian“ überholen ließen, hielten wir den Abstand zum Boot der „Starken Frauen“, die der Wikinger-Hühne Wiki, alias Chris, um sich gescharrt hatte. Des nachts kam eine gute Briese Wind auf, der der „Seeschwalbe“ und ihren Ruderern noch weiteren Schub und Schwung gab und sie vorantrieb. So segelten sie in Sneek auch unter flachen und schmalen Brücken durch.

Die Fahrt in den Sonnenaufgang

Im Morgengrauen begegneten uns in Sloten drei Harburger, die in diesem Jahr den Weg durch Friesland nicht in der Zweimann-Galere sondern in einem Segelboot beschritten hatten, allerdings außer Konkurrenz. Denn nach einer durchzechten Nacht waren ihre Been (Beine) so krumm wie de Hamborger Veermaster sien Mast und die Augen sehr kleen. Diese Trunkenbolde boten zwar eine lustige und nette Abwechslung, konnten aber die Ruderer der „Seeschwalbe“ nicht vom Kurs abbringen und auf ihrem Weg zum Ziel aufhalten. Auch der nun aufkommende Gegenwind und die Wellen vor Stavoren konnten uns nichts anhaben, denn als erfahrene Süderelbler Tweemaster-Ruderer trotzen wir stets rauen Wellen, Wind und Tiede. Das blaue Segeltuch, das wir über unsere Ausleger gespannt hatten, verhinderte außerdem, dass die Wellen ins Boot schlugen, und machte die „Seeschwalbe“ noch windschnittiger. So konnten wir die nachfolgenden Boote gut auf Distanz halten und vor uns liegende überholen. Allerdings streifte unser Boot wenig später mit einem Ausleger einen Brückenpfeiler und musste eine kurze Zwangspause einlegen, sodass wir im Classement etwas zurückfielen.

Eine kurze Entspannung vor der nächsten Tour

Die Sonne wanderte am Horizont entlang und strahlte nun immer ungehinderter auf uns Ruderer herab. Der Wind legte sich wieder, aber die Wärme wurde immer unangenehmer. Dennoch stellten sich die Hamborger Tweemaster-Ruderer auch dieser Herausforderung und mobilisierten ihre Kräfte. Hauptsache ihnen wurde an der Wechselstelle erfrischendes Wasser gereicht. So gingen unsere Wasservorräte nach und nach zu Neige und wir baten einen älteren niederlandischen Herrn in Workum darum, unseren Wasserkanister wieder auffüllen zu können. Auf unsere Bitte ging er gerne mit den Worten „Dat kost ja niets“ ein. Also war auch die Versorgung von uns Ruderern mit diesem lebenswichtigen Elexir für das letzte Drittel der Strecke gesichert.

Waren die Plätze im Boot für die letzte Etappe zum Leeuwardener Ruderclub in den letzten Jahren immer sehr begehrt gewesen, wollte sich zunächst kein Hamborger Tweemaster-Ruderer dafür begeistern lassen. Schließlich erklärten sich Angelika und Diana mit Steuermann Peter bereit, die letzte Etappe zu bestreiten und den Hamborger Tweemaster „Seeschwalbe“ über die Ziellinie zu rudern. So erreichten sie nach 20 Stunden und 27 Minuten das Ziel.

Galeeren-Ruderer im Team Hamborger Tweemaster waren: Angelika, Diana, Florian, Felix F., Guido, Janina, Johannes, Jörg, Lukas, Peter, Rieke und Uwe.

geschrieben von Jörg U.

erstellt am: 27.06.2019